| Einführung Umwelt
Bauten und Technik
Die unter dieser Rubrik dargestellten Objekte umfassen
Gebäude, Maschinen und Anlagen sowie eine Vielzahl
von Konstrukten und Utensilien aus der Arbeitswelt und
dem menschlichen Umfeld. Ein Schwerpunkt bildet der Motivkreis
Hafen- und Werftanlagen, Schiffe und Brücken, aber
es sind auch industrielle Verfallsstrukturen, die die
Künstlerin
auf dem ehemaligen Werkgelände in Herrenwyk inspirierten
oder aus diesem Zusammenhang gewählte technische
Einzelheiten wie Röhren, Hochöfen, Fördertürme
(Nr. 33 –47).
Den Zugang zu technischen Motiven fand Ilse Harms-Lipski
noch vor ihrer Studienzeit, als sie an der Meisterschule
Flensburg eine Tischlerlehre begann und Fertigkeiten
im Herstellen von Kleinmöbeln erlernte mit dem
Ziel, später den Beruf als Innenarchitektin auszuüben.
Nach Aussagen der Künstlerin übten die als
männliche
Domäne geltenden Themen Bauten und Technik schon
während des Studiums eine besondere Faszination
auf sie aus.Die Beschäftigung mit diesem Bereich
entgegen der vorherrschenden Auffassung gaben ihr Gelegenheit
zu
beweisen, daß Frauen nicht nur zur „Blümchenmalerei“ neigten.
Umweltprobleme
Unter der genannten Rubrik findet das vielfältige ökologische
Engagement von Ilse Harms-Lipski ihren künstlerischen
Niederschlag. Zahlreiche in den 70er und 80er Jahren
entstandene Zeichnungen und Ölbilder sind diesem
Themenkreis gewidmet. Immer wieder bringt die Künstlerin
die Entfremdung des Menschen von seiner natürlichen
Umwelt zum Ausdruck und zeigt mit zum Teil ganz unterschiedlicher
Akzentuierung
eine künstlich geschaffene , technisierte Umwelt.
Bilder wie „Der rote Luftballon“, der den
kahlen Gemäuern und Wänden entflieht, „Fabrikgelände“ oder „Turm
und Antropotheken“ vermitteln durch das Fehlen
jeglicher Vegetation den Eindruck von Monotonie und Trostlosigkeit.
Im Titel „Die Maschine“ wird dieses Motiv
variiert durch die Darstellung einer überdimensionalen
Maschine, die das Asphaltfeld dominiert und gegenüber
der die Arbeiter klein und unscheinbar wirken. Deutlich
wird hier die Beherrschung des Menschen durch die Technik.
Neben diesen kritischen Zustandsbeschreibungen befassen
sich Ilse Harms-Lipskis Umweltbilder immer wieder mit
den negativen Veränderungen, die durch das Eingreifen
des Menschen in die Natur erfolgen. So thematisieren „Der
Angriff auf die Landschaft“( Nr. 87) und „Urbanität“ (Nr.83)
die Zersiedelung der Natur, „Sterbende Landschaft“ (Nr.90)
die Vergiftung der Umwelt. Die traurige Bilanz des Einsatzes
schädlicher Spritzmittel führen die Bilder „Völlig
unschädlich“ (Nr.107) und „ Der Weg
ins Leben führte in den Tod“(Nr.92 a-c) dem
Betrachter vor Augen: Im erstgenannten Bild, das einen
giftversprühenden
Hubschrauber über Rapsfeldern zeigt, wird mit den
am Rande des Feldes liegenden Tieren ein direkter Zusammenhang
von Ursache und Wirkung hergestellt und so offene Kritik
am menschlichen Eingriff geübt. Dagegen enthält
sich die Trilogie „Der Weg ins Leben führte
in den Tod“ direkter Kritik, stellt die Folgen
aber umso eindringlicher dar: Das vom Muttervogel ausgebrütete
Junge ist in einer vergifteten Umwelt nicht überlebensfähig;
klagend breitet der Vogel über sein totes Junges
die Flügel aus.
Die Auseinandersetzung mit einer gedankenlosen Konsum-
und Wegwerfgesellschaft manifestiert sich in „Gerümpel
im Biotop“ (Nr.89) und „Das liebste Spielzeug“ (Nr.116).
Die beiden Bilder setzen aber jeweils andere Akzente: „Gerümpel
im Biotop“ weist mit der aus einem Behälter
ausgelaufenen Substanz und dem unnatürlichen Grün
der Pflanzen auf den Schaden hin, der durch das achtlose
Entsorgen von Gegenständen in der Landschaft entstehen
kann. „Das liebste Spielzeug“, das weggeworfene
Puppen auf einer Müllhalde zeigt, greift dagegen
grundsätzliche moralisch- ethische Fragen im Umgang
des Menschen mit seiner Umwelt auf.
Beim „Abriß“ (Nr. 78 /79) zeigt sich
die zerstörerische Kraft der Maschinen, die beim
Abreißen alter Bausubstanz eine Unmenge Trümmer
hinterläßt.
Weitere Aspekte, die die Künstlerin bei der Darstellung
von Umweltproblemen behandelt, sind die Profitgier des
Menschen („Alles fürs Geld“, Nr. 103;
Elefanten werden von Wilderern wegen ihrer Stoßzähne
getötet) und die Mahnung zur Grenzsetzung bei den
zivilisatorischen Errungenschaften Auto, Flugzeug und
Mobilfunk (Haltezeichen-Trilogie; Nr. 119 -121).
Manfred Harms
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