Einführung Tier
Anmerkungen zu Zoo- und Zirkustieren, Haus-/ Wildtieren
Der Bereich Tiere nimmt den breitesten Raum im Gesamtwerk
von Ilse Harms-Lipski ein und zeichnet sich durch eine
besondere Vielfalt an Ausdrucksformen, Konstellationen
und Arbeitstechniken aus. Innerhalb dieses Themenbereichs
stellen die Zoo- und Zirkustiere die zahlenmäßig
am stärksten vertretene Gruppe dar, übten sie
doch eine besondere Faszination auf die Künstlerin
durch den Abwechslungsreichtum von Formen, Körperzeichnung
und Farben aus. Es ist für Ilse Harms-Lipski immer
wieder eine neue Herausforderung gewesen, das Typische
einer Tierart durch die Reduktion auf bestimmte Wesensmerkmale
zu erfassen. So tritt mal die kompakte Form eines Tieres
in den Vordergrund wie bei den Zeichnungen „Elefanten
im Zelt“ (Nr.24), „Elefanten bei der Fütterung“(Nr.25), „Eisbär
in Ruhepose“ (Nr 63) oder „Stehender Eisbär“ (Nr.64),
dann wiederum wird der Gesichtsausdruck betont, beispielsweise
in „Zwei Löwenportraits“ (Nr.20), in „Ausdrucksvolle
Löwenköpfe (Nr.48) oder in „Zwei sehen
dich an“ (Kälber, Nr.178). Andere Titel schließlich
lenken den Blick auf die Bewegung wie in „Trompetender
Elefant“ (Nr. 6), „Bärendressur“ (Nr.
59) oder „Grasender Esel“ (Nr.158).
Bei der künstlerischen Umsetzung bedient sich Ilse
Harms-Lipski der vielfältigen Mal- und Zeichentechniken
wie Aquarell, Sepia (laviert oder Kreide), Pastell, diverse
Kreiden oder Feder, um im Wechsel und in der Kombination
der genannten Mittel verschiedene Schwerpunkte zu setzen.Soll
die Form betont werden, geschieht dies durch die Verwendung
von schwarzer und brauner Kreide oder Kohle, die Beschaffenheit
des Fells läßt sich durch das weichere Pastell
herausstellen, und das Aquarell wiederum macht Besonderheiten
in der Farbigkeit deutlich.
Mit Ausnahme der größeren Öl- und Pastellbilder
sind die meisten Arbeiten in der Atmosphäre von Zirkus
und Zoo, in der Landschaft oder im Stall entstanden und
stellen fixierte Momentaufnahmen dar. Denn Tiere sind fast
ständig in Bewegung. Auch wenn zum Beispiel die Raubkatzen
scheinbar ruhen, können sie plötzlich den Kopf
bewegen oder aufspringen. Das geringste Geräusch verursacht Änderungen
in der Haltung oder löst abrupte, unerwartete Bewegungen
aus. Aus dieser Ausgangssituation heraus sind Darstellungen
von Tieren in den unterschiedlichsten Positionen und in
wechselnden Perspektiven entstanden, darunter z.B. Zebras
und Esel in Seiten- , Hinter- und Vorderansicht (Hinteransicht
zweier Zebras,Nr. 69; Zebras in Seitenansicht, Nr.70)
Als engagierte Tierschützerin bewegten die Künstlerin
bei ihren Beobachtungen vor Ort auch die Fragen der Haltung
und die Chancen des Überlebens von Arten in der Gefangenschaft.
So wird der Betrachter in einer Reihe von Bildern mit Tieren
hinter Gittern konfrontiert wie Tigern und Löwen im
Käfig (Tiger im Käfig, Nr. 27; Schönheit
hinter Gittern, Nr.38; „Gefangen im Käfig“,
Nr. 88), mit gefesselten oder angebundenen Tieren. Deutliche
Kritik an der Gefangenschaft der Tiere zeigt sich in der
Darstellung der „Angebundene(n) Pferde“ (Nr.42),
von denen eines am Tau nach hinten zerrt, ebenso im Titel „Angekettet“(Nr.56)
mit den an den Beinen gefesselten Elefanten. Diese Bilder
fordern zum Nachdenken und zur kritischen Auseinandersetzung
heraus.
Manfred Harms
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