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Pflanzen, Baum und Blüten
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Einführung Natur

Anmerkungen zu Pflanze, Baum und Blüte, Landschaft und Nature morte (Stilleben)

Pflanze, Baum und Blüte

Der Bereich Natur umfaßt die Darstellung verschiedener Formen des Vegetativen (Pflanzen, Bäume und Blüten),Landschaften und Stilleben, die in der betreffenden Rubrik unter der franzözischen Bezeichnung Nature morte angeführt sind. In den früheren Schaffensphasen der Künstlerin (50er bis70er Jahre) sind Blumenbilder selten, ganz im Gegensatz zu der gängigen Meinung, Frauen würden solche Motive bevorzugen. Selbst während des Studiums an der Kunstakademie war unter den männlichen Kommilitonen die Einschätzung verbreitet, Künstlerinnen neigten zur „Blümchenmalerei“. Ilse Harms-Lipski widmete sich dagegen in ihren Naturmotiven bevorzugt markanten Baumgestalten oder Blütenformen, die in Auswahl und Darstellung den vorherrschenden Konventionen widersprachen. Mit den Arbeitstechniken Rohrfeder, Kreide und Feder werden insbesondere die Formen von Bäumen in ihrer Individualität hervorgehoben wie bei den Titeln „Exotischer Baum“ (Nr.20), „Sequoiabaum“ (Nr.22), „Uriger Baum“ (Nr.27), aber auch die Besonderheiten vertrauter Pflanzen und Blumen betont, so in „Herkulesstaude“ (Nr.12), „Verblühte Sonnenblume“(Nr. 16), „Sonnenblume mit Blättern und Samenstand“ (Nr. 23). Zugleich finden häufig Motive von Pflanzen Verwendung, die in Gärten und der Natur kaum beachtet werden. Dazu gehören die Sprossen von Schachtelhalmen (Nr.2), Disteln in verschiedenen Variationen (Bergdisteln, Nr.33; Distelpflanze und Hutschatten, Nr.44; Distelstaude im Garten, Nr.45; Kugeldisteln, Nr.46) oder Blätter des Frauenmantels (Nr. 48; Nr.49). Zudem reizte es die Künstlerin , Pflanzen in ungewohnten Perspektiven darzustellen, um dem Betrachter neue Sichtweisen zu bieten und ihn zum Nachdenken anzuregen. So zeigen sich die Sonnenblumen nicht in strahlender Schönheit, sondern im Zustand des Vergehens, Samen tragend, „Zur Erde geneigt“ (Nr.17); die verwelkende „Sonnenblume im Spätherbst“ (Nr.66) steht als Überbleibsel des Sommers wie eine einsame Ruine in einer kargen Gartenlandschaft. Weitere Arbeiten in diesem Bereich akzentuieren durch bewußte Überdimensionierung bestimmte Eigenschaften von Pflanzen: Die deutlich zu erkennenden Tropfen auf den Blättern des Frauenmantels (Nr.48/49) geben Hinweis auf die wasserabweisende Schutzschicht; und die besondere Farbigkeit der Orchideenblüten mit ihren roségestreiften Mustern kommt in der Anwendung der Aquarelltechnik zum Ausdruck. Das Ölbild „Der hohle Baum blüht noch“ wiederum zeugt vom Überlebenswillen eines abgestorbenen alten Baumes (Nr.80), und auch die in Öl gemalten Bilder „Verweile doch, du bist so schön“ (Verblühende Rose, Nr.70) und „Auf dem Wasser schwimmend“ (Seerosen in voller Blüte, Nr.71) deuten auf die Vergänglichkeit des Daseins.

Immer wieder Anreize für die künstlerische Umsetzung bot Ilse Harms-Lipski der eigene Garten, in dem neben den bekannten Blumen auch viele Wildstauden angesiedelt wurden. So fanden die durch den Einsatz von Spritzmitteln an den Wegrändern und die zunehmende Betonierung vom Aussterben bedrohte Wegwarte oder der sehr selten gewordene Wildmohn in ihrem Garten ein Refugium.

Landschaft

Idyllisch anmutende Motive finden sich in den Landschaftsbildern von Ilse Harms-Lipski nur selten. Statt lieblicher Darstellungen sind es die herb erscheinenden Ansichten, die nach Aussage der Künstlerin auf sie die größere Anziehungskraft ausüben. So entstanden auf Bergwanderungen in Österreich und der Schweiz zahlreiche Aquarelle, in denen sich die Faszination der Bergwelt in den verschiedensten Facetten widerspiegelt (Nr.83-93; Nr. 95-103), wie „Gebirgslandschaft im Salzburger Land“ (Nr. 83), „Am Gletscher“(Nr. 87), „Gebirgssee“ (Nr. 88), „Geröllhalden und Berge“ (Nr.96) oder „Wolken und Schneefelder im Hochgebirge“ (Nr.98).

Diesen Hang zum Eigenwilligen, Ungekünstelten zeichnen auch die mit Schnee überdeckten Landschaften aus wie die Bilder „Schneelandschaft mit Wald und aufgehendem Vollmond“ (Nr. 107) oder die „Lauenburgische Landschaft im Schnee“ (Nr.108), in denen die Perspektive einer winterlichen Landschaft als Anregung diente für die gestalterische Umsetzung im Aquarell. Auch vereinzelte Bäume, Gebäude, Felsen und Steine sind wiederkehrende Elemente in den Landschaftsbildern, die die Künstlerin nicht nur im reinen Aquarell, sondern ebenso in Mischtechniken, kombiniert mit Kreide, Feder, Sepia, Wachs gestaltete (Bach und Steine, Nr. 112; Gutshaus Groß Zecher, Nr.116; Kreidefelsen an der englischen Südküste, Nr.120; Alte Fischerei, Nr. 127).

In den Lineoldrucken und Holzschnitten (Nr.141-155) ergibt sich aus der Flächenhaftigkeit der Technik die Tendenz zur Abstraktion, die Kombination mit Monotypie und Batikuntergrund wiederum führt zu interessanten und eigenwilligen Neuschöpfungen. Beispielsweise verbindet sich in den Titeln „Auf dem Wasser I“ u. „Auf dem Wasser II“ (Fischerboote im Hafen) die Technik des Flächenhaften mit einer differenzierten Linienführung durch die Monotypie.

Nature Morte

In der Rubrik Nature Morte wird eine Auswahl von Arbeiten aus dem Motivkreis Stilleben behandelt. Die Arbeiten umfassen nuanciert gemalte Früchte, Blumen, Instrumente und Muscheln, die bevorzugten Techniken sind Öl und Aquarell, mit denen die charakteristische Farbigkeit der Gegenstände besonders gut erfasst werden kann. Das Öl ermöglicht fein abgestimmte Farbnuancen (Ebereschenzweige in blauer Kanne, Nr.164; Violette Pilze, Nr.168; Maiskolben mit Hüllblättern, Nr. 170), aber auch die Darstellung intensiver Farbgegensätze (Der Kohlkopf, Nr. 171; Hortensie in Blau, Nr. 174; Exotische Früchte, Nr.175).

Manfred Harms