Einführung Mensch
Anmerkungen zu Portrait, Figur und Akt
Portrait
Das Portraitmalen und -zeichnen durchzieht kontinuierlich
das künstlerische Schaffen von Ilse Harms-Lipski und
reicht von den ersten Bildern in Bleistift, Rötel,
Pastell und Kohle während der Schulzeit (1944-48)
bis zu den großformatigen Ölgemälden der
Gegenwart. Die Weiterbildung auf diesem Gebiet erfolgte
vor allem bei zwei Malern aus Berlin, die nach dem Krieg
ihre Ateliers in Flensburg aufgeschlagen hatten: Demsky
und Jung. Sie führten die junge Frau in verschiedene
Techniken ein und vermittelten ihr handwerkliche Fertigkeiten
wie das Bespannen von Keilrahmen oder das Grundieren roher
Leinwände.
Obwohl das Portraitieren aus der Mode kam
und an der Kunstakademie nicht gelehrt wurde, widmete
sich die Künstlerin immer
wieder dieser Gestaltungsform. Ihr Bestreben war es,
im Portrait die individuelle Ausprägung des Menschen
aufzuzeigen, die sich nicht in der Wiedergabe der äußeren
Form erschöpfte. Um das Wesentliche zu erfassen,
entwickelt die Künstlerin zunächst im Gespräch
mit dem Portraitierten ein Psychogramm und arbeitet dann
typische Merkmale heraus. Im geschaffenen Bild spiegeln
sich so auch innere Werte und Eigenschaften der Personen
wider. Die Techniken variieren von der Feder über
diverse Kreiden zu Tempera und Öl. Dabei steht die
Wahl der Materialien und Farben im Einklang mit dem
Sujet. So bevorzugte Ilse Harms-Lipski bei den Kinderportraits
die hellen, weichen Techniken wie Rötel und Pastell.
Ein Kinderportrait in harter Feder oder dunkler Kreider
ist für sie nicht vorstellbar.
Bei den Farbportraits
(Öl, Tempera, Aquarell, Pastell)
erfolgt die Wahl der Farben immer im Einklang mit den
betreffenden Menschen, d.h. die Farbauswahl paßt
sich dem Gesamtbild mitsamt Umgebung, Kleidung und
typischen Gegenständen an. Das Portrait gewinnt
dadurch eine der künstlerischen Intuition entsprechende
Eigenständigkeit
wie in dem Ölbild der jungen Frau in Weiß (1981)
oder dem ebenfalls in Öl angefertigten Bild der
beiden Farbigen aus Kamerun und Togo.
Ein Grundsatz, an den sich die Malerin
immer gehalten hat, ist die Arbeit vor dem lebenden Modell,
Die Anfertigung
von Portraits nach Fotos lehnte Ilse Harms-Lipski ab
, da sie die glatte Wiedergabe der äußeren
Form vermeiden wollte. Im Bestreben, wesentliche Merkmale
des Dargestellten zu erfassen, genügen ihr oft
wenige Striche, die beispielsweise charakteristischen
Gesichtszüge hervorbringen.
Figur/Akt
Auch die Darstellung der menschlichen Figur hat Ilse Harms-Lipski
schon in ihrer Jugend beschäftigt. Noch während
der Schulzeit entstanden Studien von Alltagssituationen
wie Menschen bei der Arbeit, aber auch Szenen aus der Literatur,
aus Religion und Mythologie. Beispiele aus Goethes Faust
( Faust im Arbeitszimmer, Faust am Schreibtisch), aber
auch die Darstellung von Hexentanz und Rummelpott in unterschiedlichen
Techniken ( Aquarell/Kohle) legen Zeugnis ab von dieser
frühen Schaffensphase. Weitere Kenntnisse im Akt-
und Figurzeichnen erwarb sich Ilse Harms-Lipski in ihrer
Studienzeit,
als diese Bereiche Pflichtfächer waren. Später
hat die Künstlerin in verschiedenen Perioden ihres
Schaffens die Fähigkeiten auf dem genannten Gebiet
in eigener Regie intensiviert und zahlreiche Figurenzeichnungen
geschaffen. Dabei konnte Ilse Harms-Lipski Sterilität
und Manierismus vermeiden durch den Wechsel der angewandten
Materialien wie Bleistift, diverse Kreiden und Pastell
oder durch die Kombination der verschiedenen Techniken.
Die Künstlerin bevorzugte die weicheren Stifte, Feder
und Tusche kamen seltener zum Einsatz.
Die Einzeldarstellungen vermitteln ganz unterschiedliche
Ansichten des menschlichen Körpers durch den Wechsel
der Positionen und Perspektiven oder durch die Betonung
der Aktion. Beim männnlichen Akt wird das Spiel der
Muskeln oft besonders hervorgehoben durch farbige Pastellkreiden.
Die Kombination der Aktfiguren mit wechselnden Kulissen
wie Werftanlagen, Häuserfronten oder Landschaften
führt immer wieder zu überraschend neuen Dimensionen.
Manfred Harms
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